Der Zombiekenner

Dreizehn Tage vor der Apokalypse:

Die Nacht war schnell um. Es mussten ja schließlich auch noch die letzten Kapitel von
Die Versteigerung von No. 49“ gelesen werden. Umso störender war der schrille Ton von Olivers Wecker, der genau um 06.00 Uhr morgens los rappelte. „Verdammt, sei doch ruhig!“ Genervt schlug er auf seinen Wecker, welcher prompt ausging. Er schmiss sein Buch auf seine Matratze und stand auf. Müde trottete er zu seinem Kühlschrank und nahm sich ein Bier heraus. In den letzten 10 Jahren hat Oliver sich immer mehr zurückgezogen und als Adoptivkind hatte er eh nie einen richtigen Familienbezug gehabt.

Seit langem lebte er mit seinem Hund Rocco in einer alten, verlassenen Garage und studierte alles über Zombies und Verschwörungstheorien. Seinen Kontakt zur Außenwelt versuchte er so gering wie möglich zu halten und lebte hauptsächlich in seinem virtuellen Netzwerk.

Darüber hinaus hatte er schon den einen oder anderen dubiosen Kontakt hergestellt. Dazu zählten auch Laborbereiche von Fachhochschulen, wo er sich schon oft als Proband für Tablettenversuche, Geld zum Überleben verdiente.

 

Er stellte sein Bier auf den Behelfstisch, klappte seinen Laptop auf und machte ihn an. Ein kurzes ‘pling‘ löste bei Oliver einen fragenden Blick zur Inbox seines Postfaches aus. Neugierig klickte Oliver auf das P2P- Filesharing Programm “W.A.S.T.E“ und öffnete seine Inbox. „Hmm, interessanter Deal.“ murmelte Oliver und tipperte seine Antwort in die Chatbox, die nun mit einer hohen Erwartungshaltung verbunden war.

Vertieft in seinem Laptop und ziemlich konzentriert, studierte er die Details, wie die Uhrzeit und den Treffpunkt vom Chat. Sein Hund Rocco hingegen, lag wie immer ganz gelassen auf seiner Decke und machte kein Mucks.

Ein Treffpunkt ist kein Treffpunkt.

Sechs Tage vor der Apokalypse:

Oliver stand aufgeregt vor dem Spülbecken und putzte sich hektisch die Zähne. Hastig spülte er seinen Mund aus, zog sich seine Jacke an und ging nach draußen. Heute war das geplante Treffen mit Don Calzone, sein Chatkontakt aus’m Netz.

Der ausgemachte Treffpunkt von Oliver und dem kuriosen Jemand, war im Dortmunder Rombergpark.

Als er im Rombergpark ankam, schlenderte er auf einen Steg und beobachtete die Gänse und Enten, welche zügig durchs Wasser schwammen. Ein paar Minuten später, ging Oliver zu dem vereinbarten Treffpunkt.

 

Er setzte sich gemütlich auf eine Bank und stellte seinen ergaunerten Energy Drink auf den Boden. Die Zeit verging, doch es kam niemand, der sich als Don Calzone zu verstehen gab. In diesem Moment bekam Oliver eine SMS mit einer Angabe eines neuen Treffpunkts. „Der will mich doch verarschen.“ dachte sich Oliver und schüttelte verständnislos den Kopf.

Tauschen oder Mauscheln

Angekommen am alten Hochofengelände Phoenix-West, fielen Oliver das umzäunte Gebäude und die Überwachungshinweise auf.

Er ging zum Tor, blieb stehen und schaute in eine der vielen Überwachungskameras.

Wie von Geisterhand öffnete sich das Tor und Oliver ging hinein. Die Begrüßung war recht verhalten, denn was zählte war der Deal und dieser sollte schnell über die Bühne gebracht werden. Oliver war immerhin ja auch sowas wie ein Informationshändler, aber das was er hier sah, beschränkte sich nicht nur auf die virtuelle Welt.

Er sah haufenweise Waffen, Munition, Naturalien, eine Menge Schmuck und eine antike Sanduhr, die der Kollektor scheinbar durch die Luft schwenkte. Überwältigt starrte er durch den Raum. „Wow, echt krass Alter!“ „Ich weiß, danke!“ erwiderte Don Calzone. „Bist du sowas wie ein Waffenhändler?“ „So in der Art. Waffen sind ein lukratives Nebengeschäft von mir.“ antwortete Don Calzone. „Ahh.“ entgegnete Oliver. „Wir wurden uns noch nicht richtig vorgestellt!“ Don Calzone gab Oliver die Hand. „In Kreisen nennt man mich auch den Kollektor.“ spuckte sein Darknetpartner aus. „Und wie nennt man dich?“ entgegnete der Kollektor mit wartenden Blicken nun auf  Oliver gerichtet.

„So wie du dich mit der Apokalypse und dem ganzen Zombiemist auskennst, würde der Name “Zombiekenner“ ganz gut zu dir passen.“ „Belassen wir es doch dabei!“ antwortete Oliver schnell und dachte daran, dass ihm in diesem Moment auch kein besseres Pseudonym eingefallen wäre.

Durch Zufall entdeckte Oliver eine alte Schatulle, welche auf einem der Tische lag. Er wollte sie gerade öffnen, da rief der Kollektor „HALT!!“ „Was ist denn jetzt kaputt?“ fragte Oliver. „Ach nix, da sind nur persönliche Sachen drin!“ Oliver ging einen Schritt zurück. „Dann erzähl mal, was du für wichtige Informationen hast!“ Nachdem Oliver und der Kollektor  diverse Informationen austauschten, gab Oliver ihm seine teure Uhr, dafür erhielt er eine Art Maschinengewehr und Munition. Der Austausch vollzog sich relativ schnell, Oliver verabschiedete sich und schlug den Rückweg wieder ein.

 Aus der alten Kokerei rauskommend, war es irgendwie anders.

Oliver war von nun an bewaffnet und verfügte über weitere Informationen der unaufhaltbaren Apokalypse, die seine Verschwörungstheorien wieder einmal bestätigten. Die Mauschelei war beendet und Oliver, dem der Name “Zombiekenner“ immer besser gefiel, zog heim.

Getauscht, geliehen, geklaut oder was…

Ausbruch der Apokalypse:

Wie jeden Morgen stand Oliver um 06.00 Uhr morgens auf. Ziemlich gut gelaunt nahm er einen USB Stick aus seiner Jackentasche und setzte sich an seinen kleinen Behelfstisch.

„Da bist du ja!“ Dabei schaute Oliver auf den USB Stick und musste schmunzeln. Gestern war dieser Stick nämlich noch gut behütet, in der alten Schatulle des Kollektors.  Ups…

Was mag wohl so alles an interessanten Informationen abgespeichert sein.

Zwischendurch machte sich seine Inbox durch eine nervige Anzahl von ‘pling‘, ‘pling‘, ‘pling‘ bemerkbar. Es konnte nur Don Calzone alias der Kollektor sein, welcher wohl ziemlich sauer war.
„Die Kunst des Ignorierens beherrsche ich schon lange mein Freund.“ lächelte Oliver und stellte den Ton seines Laptops ab.

Er murmelte weiter: „Naja, es gibt genug Händler im Netz!“ Mit Spannung steckte er den USB Stick in den Laptop. Neugierig öffnete er eine der vielen, erstaunlicherweise unverschlüsselten Dateien und fing an den Inhalt zu lesen. „Donnerwetter, ich hab es doch immer schon gesagt, die vertuschen alles!“ – “Mmmh, wofür steht denn die Abkürzung “L.A.E.R“?  Egal, finde ich schon noch heraus. Vorerst habe ich genug  wertvolle Tauschinformationen.“ sagte Oliver zu sich.

Er zog den Stick ‘raus, klappte den Laptop zu und verschwand im Bad. Auf einmal hörte er ein Geräusch. Vorsichtig öffnete er im Bad die Tür und guckte aus dem Fenster. „Nur eine Krähe!“ Erleichtert setzte er sich und trank ein Bier. Gegen Abend lief er in die Stadt und ging zur Pommesbude. Um 22.00 Uhr watete er gesättigt zu seiner Garage zurück. Plötzlich hörte er ganz viele Sirenen im Hintergrund. Er wurde immer schneller, bis er an seiner Garage ankam.

Dann schloss er das Tor, schmiss seine Sachen auf die Matratze und verfolgte die Geschehnisse die draußen passierten, über einen Livestream im Netz. „Oh man es geht los. Ich hab’s ja schon immer gesagt…“

„…aus diesem Grunde, werdet ihr sterben und ich überleben!“

Namenstausch

Ein Tag nach Ausbruch der Apokalypse:

„Dummes Radio!“ Unruhig schlug Oliver gegen sein altes Radio, was nachdem Blackout nur noch auf Batteriebetrieb lief. Oliver hatte zu viele brisante Informationen, um sich in der Garage noch sicher zu fühlen. „Rocco, komm her!“ rief Oliver, doch sein Hund kam nicht.

Er nahm den alten Militärrucksack aus dem Schrank und fing an diverse Dinge einzupacken.
Danach nahm er den alten, cremefarbenen Mantel vom Harken und ging. „Ah, fast hätte ich’s vergessen!“

Oliver sprintete zurück und schnappte noch schnell sein „The Walking Dead“ Buch und verstaute es. Die neu erworbene Knarre vom Kollektor und der dazugehörige Patronengurt, waren nun ein fester Bestandteil seiner Ausrüstung. Plötzlich hörte Oliver ein leises Wimmern. Er lief bis zu einer Böschung, in der Nähe seiner Garagenunterkunft und machte dort eine schockierende Entdeckung.

Erstarrt schaute er auf den Boden, als er Rocco dort liegen sah. Dieser hatte tiefe Bisswunden am ganzen Körper und quälte sich so dermaßen, dass Oliver sein Taschenmesser aus dem Rucksack holte und ihn erlöste. Traurig nahm er den Kadaver und vergrub ihn und damit auch seinen Namen Oliver.  Er wird sich von nun an “Der Zombiekenner“ nennen.

Wütend holte er seine Ausrüstung samt seiner Waffe, zog seinen Mantel an und noch mit dem Halsband von Rocco in der Hand, folgte er entschlossen den Spuren.

To be continued….

Bis zur nächsten Story of Dead, hier noch die musikalische Fotostory als Ergänzung via Instagram. Vielen Dank an Michael Dörmann für die zombastische Sound production.

 

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